Wir brauchen neue Vorbilder!


Im Oktober 2012 nahm ich am Symposium „Mut zur Pause“ mit einem Vortrag über Burnout-Prävention teil. (Hier geht’s zu meiner Präsentation „Weckrufe der Seele rechtzeitig verstehen“)

In der Podiumsdiskussion brachte eine Unternehmerin, die selbst schon Weckruf-Erfahrungen gemacht hatte, einen wichtigen Punkt ein: Es war und ist für sie sehr schwierig, in ihrem persönlichen Umfeld und in ihrem Unternehmen Verständnis für ihre persönliche Maßnahmen zur Burnout-Prävention zu erhalten: Eine Powerfrau wie sie darf sich doch nicht einfach mal frei nehmen. Eine Powerfrau wie sie darf sich doch keine Schwäche leisten und Meetings verpassen. Eine Powerfrau wie sie ist doch für das ganze Unternehmen verantwortlich.

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Diese Unternehmerin hat mich sehr beeindruckt, weil sie trotz der Widerstände von außen auf die Weckrufe ihrer Seele hört: Sie nimmt sich Auszeit. Sie bereitet einen Wechsel in ihrer Berufstätigkeit vor, sie wird die Spitze ihres Unternehmens verlassen. Sie achtet vermehrt auf ihren Körper und gönnt ihm Pausen.

Im persönlichen Gespräch mit dieser Frau bekam ich Einblick in all die Schwierigkeiten, die mit ihrer Entscheidung verbunden sind: die Unsicherheiten in der Familie und im Unternehmen, das Finden eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin für ihre Position in der Firma, erste Schritte der eigenen Neuorientierung, erste Schritte, das Verantwortungsgefühl für das Unternehmen loszulassen… Und dennoch: Ich konnte nicht anders, als dieser Unternehmerin zu gratulieren! 🙂 Ich habe sie bestärkt in ihrem Vorhaben, denn sie ist auf dem besten Wege ein Role Model im Wandel unserer Leistungsgesellschaft zu sein.

Sie ist ein Vorbild! Sie zeigt ganz konkret in ihrem Lebensalltag vor, dass Leistungsdenken nicht alles ist, dass es daneben noch so etwas wie „das Leben“ gibt. Sie zeigt in ihrem Wirkungsbereich vor, dass es auch anders gehen muss, als tagtäglich auf 180 zu funktionieren. Sie zeigt vor, wie wichtig es ist, mit dem eigenen Körper achtsam umzugehen und die eigenen Grenzen zu respektieren. Sie zeigt vor, dass es immer Lösungen gibt, um belastende Situationen zu verändern, damit die Lebensqualität aller Beteiligten steigen kann.

Natürlich kam in der Podiumsdiskussion der Einwand: „Ja, aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die stehen ja jetzt vor dem Nichts!“ Vor dem Nichts stehen sie zwar nicht, doch ja, sie stehen mitten drin in einem Prozess der Veränderung, auf den vielleicht auch einige von ihnen mit weiteren Veränderungen reagieren werden.

Die Gesellschaft – in diesem konkreten Beispiel dargestellt durch das Umfeld der Unternehmerin – scheint zu verlangen, dass Menschen ihr eigenes Wohl vernachlässigen, um für andere da zu sein. Auf Dauer kann das meiner Meinung nach nicht gut gehen. Für mich geht es hier zentral um die Frage:

Wo findet jede/r einzelne die Balance zwischen
Verantwortungsbewusstsein auf der einen Seite und
Selbstliebe auf der anderen Seite?

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Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass es für die langfristige Gesundheit von Individuen und Gesellschaft notwendig ist, dass wir Menschen (wieder?) Selbstliebe erlernen. Selbstliebe ist ein hochtrabender Begriff – kurz gesagt meine ich in diesem Kontext damit, mit sich selbst gut umzugehen, wirklich gut mit sich selbst umzugehen. Meine Gedanken zu diesem Thema habe ich ausführlicher im weripower Brief Nr. 43 beschrieben. (Anmerkung: Auch der weripower Brief Nr. 26 über die Ansprüche an sich selbst passt zum Thema Selbstliebe gut dazu.)

Menschen, die es jetzt schon schaffen, Selbstliebe im Alltag zu praktizieren, fungieren als Vorbilder für ihr Umfeld, sie sind „Agent/inn/en der Lebensqualität“! 🙂 Denn viele Menschen sehnen sich nach einem anderen (Arbeits-)Leben, sehen aber (noch) keine Möglichkeit dazu. Gerade in solchen Situationen braucht es ganz konkrete Role Models, die bereits Alternativen leben: Vorbilder geben anderen Mut und Zuversicht, dass auch sie etwas verändern können. Ich bin überzeugt: Wenn immer mehr Menschen nach anderen Werten als jenen der Leistungs- und Konsumgesellschaft leben, wird sich dadurch auch die Gesellschaft ändern.

Bis dahin ist es nicht unbedingt einfach, ein Vorbild zu sein und „anders“ zu leben. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass neue Vorbilder gegen den Strom schwimmen und nicht den Werten des Mainstreams entsprechen. Doch die steigende Lebensqualität ist für solche Role Models der ganz persönliche Vorteil! 🙂

Bist du ein Vorbild in Sachen Burnout-Prävention? Bist du „Agent/in der Lebensqualität“ in deinem Alltag? Bist du ein Role Model in Sachen Selbstliebe? Was hält dich davon ab? Ich freue mich darauf, deine Meinung hier in den Kommentaren zu lesen! 🙂

zusätzliche Hinweise:


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