Zeit zu trauern


Es muss nicht gleich ein Todesfall sein. Auch kleinere Abschiede brauchen Aufmerksamkeit, damit die entsprechende Trauer Platz findet. 

Gerade jetzt haben wir alle mit Verlusten zu tun: vielleicht den Job, vielleicht Einkommen, vielleicht Gesundheit, vielleicht liebe Menschen, vielleicht das Gefühl, das Leben (halbwegs) im Griff zu haben, vielleicht Reisemöglichkeiten, vielleicht Routine, vielleicht Sicherheit, vielleicht Verbundenheit, vielleicht Chancen, vielleicht Gemeinschaft. Vielleicht ganz etwas anderes. 

Egal, wie klein dir dein Verlust vorkommen mag, gestehe dir Zeit zu trauern zu. Trauer ist eine natürliche und gesunde Reaktion. Und ja, Trauer will ernst genommen werden, die lässt sich schwer nebenbei erledigen. Sie zieht an deinem Rockzipfel, bis du sie endlich wahrnimmst, bis du ihr in die Augen schaust, bis du ihr Raum gibst. Das Gespräch mit ihr bei einer Tasse Tee wird dir zeigen, was du geliebt hast, was du verloren hast, was dir wichtig ist. Sie wird dir zeigen, was ist … was du vielleicht nicht so recht wahrhaben wolltest. Das mag vorübergehend unangenehm sein, doch die Klarheit des Annehmens gibt viel Kraft und Ausrichtung. 

Nehmen wir uns Zeit zu trauern. Gestatten wir uns die Auszeiten, die wir zum Trauern brauchen. Geben wir der Trauer Raum. Das gehört zum Ganzheitlich-Mensch-Sein dazu. Holen wir die Trauer aus der Tabu-Zone. Hören wir ihrer Weisheit zu. Würdigen wir ihre Bedeutung für unsere Gesundheit. 

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Zeit zu trauern – Foto: Uli Feichtinger, 2020.

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