Kultiviere die Freude!


Als ich diesen Imperativ das erste Mal gehört habe, war mein erster zynischer Gedanke: „Na, wenn wir keine anderen Sorgen haben!“ Da gibt’s doch viel größere, viel wichtigere Dinge zu tun! Auf politischer, wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer Ebene … aber auch in der Persönlichkeitsentwicklung!

Doch dann kam mir bei der Lektüre des Buches „Die Macht der Kränkung“ von Reinhard Haller die Erkenntnis, dass innerer emotionaler Stress einen unglaublich hohen Anteil der Ursachen für chronischen Stress und Burnout ausmacht. Diese innere Spirale von Gedanken, Antreiber-Sätzen und Emotionen ist das, was ganz besonders stark belastet und bedrückt.

Freude und Positivität fördern die menschliche Größe.

Wie so oft führte eine Inspiration zur nächsten: Chameli Ardagh vom Awakening Women Institute erinnerte mich an das von ihr oft zitierte Bodhisattva (*) Gelübde: Cultivate joy! Und Ira Mollay von der Mutmacherei erzählte mir kurz darauf vom Trainingsprogramm Brain 4.0 und davon, wie wichtig es ist, das Gehirn auch in Sachen Positivität zu trainieren. Da machte es „klick“ und ich erkannte, dass Freude und Positivität zentrale Elemente der menschlichen Größe sind, denn aus ihnen erwachsen Gelassenheit und Kraft gleichermaßen!

(*) Bodhisattvas sind Menschen, die mitten in der Welt stehen und dabei Weisheit, Güte und Mitgefühl kultivieren, die ihre spirituelle Praxis zum Wohle aller Wesen vertiefen, die ihre Spiritualität und ihr Wirken in der Welt ineinander verwoben haben. (Das ist meine Zusammenfassung als Nicht-Buddhistin, die „richtigen Buddhist/inn/en“ wahrscheinlich zu kurz greift.)

Der wichtige Unterschied ist das bewusste Wahrnehmen der Freude.

20150812_Uli_weiss_violett_rundAlso machte ich Cultivate Joy zu einer Wochen-Praxis: Sieben Tage lang erinnerte ich mich mehrmals täglich an dieses Bodhisattva-Gelübde und richtete meinen Fokus auf die Freude. Manchmal waren es Kleinigkeiten: die wunderschöne Rose an der Hauswand oder das Quietschen der Schwalben. Manchmal waren es größere und große Dinge: die gut gelungene Schularbeit eines Kindes, der erfolgreiche Vertragsabschluss, das Feedback einer Teilnehmerin, die Good News einer Kollegin, das Jauchzen der Kinder auf dem Trampolin. Manchmal war es eine tiefe Dankbarkeit darüber, dass wir ein Dach über dem Kopf haben, dass ich mir um die Sicherheit meiner Familie keine Sorgen machen muss, dass wir genug zum Essen und Anziehen und Heizen haben – und dass ich die Frage meines jüngsten Sohnes beim Abendessen, ob nachts eine Bombe auf unser Haus fallen wird, aus ganzem Herzen mit Nein beantworten konnte!

Natürlich hatte ich mich früher auch über all das gefreut, doch die Praxis machte die Freude bewusst und verankerte sie als Gefühl in meinem Körper. So wurde die Freude ein bewusster Teil meiner Körperlandschaft und ich kann sie nun leichter mitten in Herausforderungen wachküssen.

Je weniger wir zu lachen haben, umso wichtiger ist es, die Freude zu kultivieren.

When you lose your joy, you lose your power.
Wenn du deine Freude verlierst, verlierst du deine Kraft.
~  aus Mexiko

Damit schließt sich der Kreis: Wenn wir bei äußeren Belastungen die Freude verlieren bzw. vergessen, sie bewusst zu kultivieren, nimmt der innere emotionale Stress überhand und verstärkt das Gefühl von Überforderung, Stress und Ausgebrannt-Sein. Eine Feedback-Schleife beginnt, die uns tiefer in die Burnout-Spirale führt. Je größer also die aktuellen Herausforderungen sind, umso wichtiger ist es, ganz bewusst die Freude und die Positivität zu stärken. Freude als Burnout-Prävention klingt fast zu einfach, um wahr zu sein! Wie du damit beginnen kannst, beschreibe ich am Ende des Artikels.

Freude ist ein wirksames Leadership-Tool in turbulenten Zeiten.

Neun weibliche Archetypen unterstützen uns, Feminin Evolutionäres Leadership zu verkörpern und zu leben. Der Archetyp der Jungfrau führt uns aus diversen Verstrickungen und Machtspielen heraus. Die Jungfrau ist es, die Freude und positive Lebenseinstellung als Leadership-Tools erkennt: Wenn die meisten jammern und sich fast reflexartig über alles mögliche empören, befreit sich die Jungfrau mit ihrer Freude und Positivität aus dem Sog. So bleibt oder wird sie handlungsfähig, weil sie sich ihre Kraft und Energie bewahrt: When you cultivate your joy, you cultivate your power.

In meiner Tätigkeit als Coach und Trainerin merke ich tagtäglich, welch stärkende Auswirkungen solch ein Leadership zeigt: Gerade in Zeiten, wo viel Angstmacherei betrieben wird, wirken Menschen mit einer fundierten Zuversicht wie Leuchttürme: Ihre kraftvolle, freudvolle und positive Gelassenheit nährt die Sehnsucht vieler Mitmenschen nach solch alternativen Vorbildern – nach modernen Bodhisattvas!

Beginne heute damit, deine Freude zu kultivieren.

  • Es fängt damit an, dass du für dich die Intention setzt, die Freude zu kultivieren. Mach das nicht „einfach nebenbei“, sondern spüre dein Ja deutlich in dir. Vielleicht möchtest du auch ein Mini-Ritual daraus machen.
  • Der nächste Schritt ist, dir selbst einen Erinnerungsanker zu setzen: Was soll dich mehrmals täglich daran erinnern, die Freude zu kultivieren? Bei mir war es eine Handbewegung: Ich drehe oft an meinem Ring. Diese Geste habe ich zum Anlass genommen, mich zu fragen, worüber ich mich gerade freuen kann. Du kannst dir aber auch ein Zettelchen auf den Schreibtisch legen oder ins Bad kleben, du kannst dir eine Erinnerung auf dem Smart Phone einstellen, du kannst dir Wartezeiten an der Ampel, in der Warteschlange oder beim Drucker für die Freude reservieren – oder ganz etwas anderes. Vielleicht ist es auch ein Freude-Tagebuch, das dich in die Freude kickt?
  • Wichtig ist, die Freude nicht einfach nur zu denken – nach dem Motto: „Stimmt, darüber freu ich mich!“ Es geht vielmehr darum, die Freude tatsächlich zu spüren: Wie fühlt es sich in deinem Körper an, wenn du dich freust? Was passiert da? Wo verändert sich etwas in deiner Körperlandschaft? Du kannst deine Hände auf diese Körperregionen legen, um das Gefühl zu verstärken und auf Körperebene zu verankern.Rose_von_Erika
  • Diese wiederholte Erinnerung an die Freude verändert fast unmerklich deine Lebenseinstellung. Durch die tägliche Praxis bist du bald so geübt, dass du die Erinnerung an die Freude als Zopf des Münchhausen verwenden kannst, um dich aktiv aus lähmenden oder auszehrenden Situationen selbst heraus zu holen.
  • Auf diese Art und Weise nährst du zusätzlich den Archetyp der Jungfrau in deinem Leben. Die Qualität der Jungfrau unterstützt dich in der Folge darin, dir selbst treu zu sein, voll und ganz hinter dir selbst zu stehen und so immer unabhängiger von äußeren Identifikationen zu werden. Über die Freude kultivierst du deine Kraft und deine Handlungsfähigkeit – und damit stärkst du dein Leadership!

Viel Freude und Flow beim Kultivieren der Freude!

Berichte uns in den Kommentaren von deinen Erfahrungen und Erkenntnissen! Wie geht es dir mit diesem Bodhisattva-Gelübde? Welche Veränderungen kannst du in deinem Leben wahrnehmen? Wie fühlt sich die Freude in deinem Leben und in deinem Körper an?


Bringe die Jungfrau und die anderen 8 Archetypen in dein Leben
und lass so dein Leadership reifen!


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2 Gedanken zu “Kultiviere die Freude!

  • Brigid

    Liebe Uli,
    herzlichen Dank wieder einmal für Deine wertvollen, liebevollen Impulse ~
    und auch für das wertschätzende Geburtstagsmail mit dem Text von Oriah ~
    was ich trotz aller Herausforderungen seitens Familie sowie Gesellschaft seit längerem lebe ~
    als Pionierin für mein Herzensprojekt „Nahrung für die Seele im Heilungsraum“ (statt Krankenhaus) ~
    JA, eben haben sich meine Mundwinkel hochgezogen, als ich um mich blickte, um zu entdecken, worüber ich mich von Herzen freue ~ und manchmal lache ich herzlichst ~
    Cultivate Joy beginnt bei mir bereits nach dem Aufwachen, wenn ich meine selbstgebaute Flöte sehe und spiele, die Rosenblüte freudig begrüße, dankbar bin für’s
    gemütliche, warme Haus, im Badezimmer mir selbst mit frisch klingendem „Guten Morgen“ zulächle, im Garten mit „Danke“ ein paar Kräuter & Blüten esse, über’s ganze Gesicht strahle, wenn sich die Sonne blicken lässt ~ es gibt also viele Gelegenheiten zum Freude pflegen ~ und dies alles hat mir Kraft geschenkt, insbesondere meine für mich sehr schwierigen Zeiten zu überleben ~~~♥~~~
    und dazu gehört auch mein Singen & Musizieren ~ täglich ~ für ein Leben in Würde für alle Wesen ~ und so weit wie möglich verbinde ich „ora et labora“ ~
    und dabei im „für Andere DA SEIN“ bedeutet für mich gleichzeitig „für mich DA SEIN“ ~
    keine Trennung mehr ~
    JA, mir selbst treu sein ~ ohne den Vorstellungen der Anderen zu entsprechen ☺
    In Verbundenheit mit Dir, liebe Uli, sowie mit allen anderen Gleich~Schwingenden
    viele freudvolle Momente, Deine Seelenschwester (*) Brigid

    • Uli Feichtinger Autor des Beitrags

      Liebe Brigid,
      Danke für deine wunderschönen Zeilen, die ich in aller Ruhe und in der passenden Stimmung beantworten will! Der Mond steht bei mir noch am Himmel, die Sonne beleuchtet schon die Berggipfel – mein Körper schwingt leicht zur Tempelmusik, die ich im Hintergrund laufen lasse… Es sind die ganz kleinen Dinge, JA. Wie wunderschön du das beschreibst! Vielen vielen Dank. Lassen wir diese Schwingungen für sich wirken und strahlen.
      Aus meinem Herzen steigt tiefe Dankbarkeit empor für dich und dein Wirken – aber auch für all die andern, die – wie du – der Sehnsucht in ihrem Herzen folgen und die Welt von morgen gebären. Für all diese Frauen schreibe ich gerade mein nächstes eBook. Das macht mir große Freude – und dem werde ich mich jetzt gleich wieder widmen. Damit ich euch allen ein Weihnachtsgeschenk machen kann – als DANK für das wunderbare Wirken!
      Herzlichst,
      Uli