Du bist so naiv


hand_tempel_mitte_detail_kleinIn meiner Jugendzeit und auch noch in meinen Zwanzigern habe ich einen Satz sehr oft gehört:

Du bist so naiv.

Er wurde mir meist mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton gesagt, wenn ich z.B. an das Gute im Menschen geglaubt habe oder an das Gute im Menschen appelliert habe. Ich habe diesen Satz auf jeden Fall nicht als Kompliment empfunden! 😉 Wie sich dieses „Manko“ in eines meiner größten Geschenke an die Welt verwandelt hat, erzähle ich dir heute.

Wann immer mir dieser Satz gesagt wurde, ist in mir ein Gefühl entstanden, das ich aus heutiger Sicht so beschreiben würde: Ich habe mich falsch gefühlt. Als wäre ich nicht richtig ausgestattet für ein Leben auf dieser Welt. Als wäre ich ein bisschen blöd und beschränkt und noch nicht richtig erwachsen. Ich fühlte mich abgewertet.

Als Gegenstrategie habe ich dann versucht, „realistischer“ zu sein. Weniger zu glauben und weniger zu erhoffen. Ich wurde ruhig und hielt mich zurück, weil ich dachte, dass die anderen viel genauer wüssten, worum es in diesem Leben auf dieser Welt ginge. Kurz gesagt: Ich habe versucht, jene meiner Eigenschaften zu verbergen, die man Naivität nennt.

Dass mir all das nicht besonders gut getan hat, kannst du dir vielleicht vorstellen. Ich habe ja einen Teil von mir in die Verbannung geschickt. Ich habe diesem Feedback der Menschen geglaubt, dass etwas mit mir „falsch“ sei, dass ich nicht OK sei.

Und dann schenkte mir das Leben Chameli Ardagh. Chameli kündigte auf ihrer Facebook-Seite an, dass sie an einem bestimmten Tag sogenannte Tempelnamen vergeben würde. Ich bat um solch einen Tempelnamen, der mich unterstützen würde, aus dem Muster von Machtkämpfen auszusteigen. Mein Herz blieb kurz stehen, als ich den Namen las, den Chameli mir geschenkt hatte: Innocent Devotion.

Oh, als dieser Name in mir angekommen war, ging mir ein Licht auf! Das, was die anderen Menschen als Naivität bezeichneten, war meine Innocence*! Es war der unschuldige Blick auf die Welt! Es war die Verbindung zu der Innocence in mir und in anderen Menschen! Irgendwie hatte ich es geschafft, mir diese Innocence zu bewahren.

* Ich mag das deutsche Wort Unschuld in diesem Zusammenhang nicht so gerne, weil wir das meist in einem anderen Zusammenhang verwenden.

Die Tatsache, dass jemand – in diesem Falle Chameli – dieses Geschenk in mir erkannt hatte, veränderte mein Leben. Plötzlich empfand ich diesen unschuldigen Anteil nicht mehr als Makel der Naivität, sondern als Geschenk der Innocence. Ein simples Reframing zum richtigen Zeitpunkt hatte einen riesigen Unterschied ausgemacht.

Die Innocence zu erkennen und wahrzunehmen, das wurde mir zur fixen Praxis. Denn Innocence wohnt nicht nur in mir, nein, in jedem Menschen, in jedem Wesen in diesem unendlichen Universum. Doch irgendwie haben wir als Menschheit kollektiv auf sie vergessen. Wir als Menschheit konzentrieren uns mehr auf die Fehler der anderen, beantworten Mißgeschicke mit Beschämung, beantworten Andersartigkeit mit Abwertung und teilweise Beschuldigung und Verurteilung.

Wie konnten wir nur einen Augenblick lang die Verbindung zu dieser wundervollen Innocence in unserem Herzen verlieren?

Falls dir jetzt eine sarkastische oder zynische Antwort eingefallen ist, nimm ganz bewusst Verbindung mit deinem Herzen auf und erspüre dort diese unschuldige Unbeschwertheit eines Kindes in dir. Da gibt es irgendwo in deinem Herzen eine unschuldige Sehnsucht. Vielleicht hast du sie gut versteckt, denn diese Innocence in uns macht uns verletzlich.

Mit der eigenen Verletzlichkeit umgehen zu können, sich dennoch nicht hinter kugelsicheren Westen zu verstecken, sich mit dieser innocent Sehnsucht im Herzen in der Welt zu zeigen – das alles sind zentrale Qualitäten eines neuen Leadership, das gerade dabei ist, in der Welt zu erblühen.

Uli speaks on innocence and vulnerability

unschuldige Sehnsucht im Herzen = Berufung

Blühe in deiner Berufung auf!
Rückkehr zur Sehnsucht

Dharma ~Tempel ~ Wochenende für Frauen,
die ihr Leben im Einklang mit dem großen Mysterium gestalten wollen

27. bis 29. Jänner 2017, Wien, Österreich

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